
Verloren in der Zeit, wie Tränen in Regen. Nicht ganz so heftig, aber zumindest so ähnlich wie einst Roy Batty mag sich Nadia fühlen. Denn sie ist im Jahr 4.688.651.234 (!) vor unserer Zeitrechnung gelandet, wo das Arcola-Institut fern in der Vergangenheit eine neue, futuristische Zivilisation aufgebaut hat. Das bedeutet auch, dass Nadia endlich mit ihrer Familie vereint ist. Mit ihrer inzwischen erwachsenen Schwester Jettie und ihrer Mutter, der Bürgermeisterin der Stadt. Also alles schön und gut? Leider nicht, denn Nadia fühlt sich in der uralten neuen Welt nicht wohl und auch der Kontakt zu ihrer Mutter, die inzwischen wieder geheiratet hat, entwickelt sich anders als erhofft. Kurz gesagt: Nadia will bald wieder weg, was allerdings höchst problematisch ist. Außerdem: was ist mit dem Roboter Kevin passiert, inzwischen längst Nadias Kumpel. Und Tatsuo, der in der Zukunft geblieben ist? Lebt er etwa noch?
Nachdem der letzte Band gleich mit einem doppelten Cliffhanger endete, führen die beiden Autoren Rory McConville und Declan Shalvey ihren Zeitreise-Spaß konsequent weiter. So finden wir uns viereinhalb Milliarden Jahre in der Vergangenheit wieder, aber ihr Umfeld und die Menschen bleiben Nadia fremd, so leider auch die eigene Mutter. Nur mit ihrer Schwester Jettie freundet sie sich (erneut) an. Da die Zeitreise per Pod so weit in die Vergangenheit eigentlich eine Einbahnstraße ist, bleibt es fraglich, ob sie hier wieder weg kann. Bis sich dann doch eine Chance auftut. Einmal mehr ist der Band frisch erzählt, mit unverbrauchtem Setting und grenzenlosem Einsatz von Zeitmaschinen, hier Pods genannt. Und es dauert eine ganze Weile, bis die Leser-Neugierde gestillt ist und wir erfahren, ob Tatsuo noch am Leben ist.
Die Geschehnisse um die ehemalige FBI-Agentin Nadia bilden die Haupthandlung des Bandes, wobei eine frühere Nebenfigur, die eigentlich keine Rolle mehr spielte, ein gefährliches Comeback feiert, was eine zusätzlich gelungene Story-Idee darstellt. Parallel zu Nadias Geschichte blendet der Band immer wieder auf zwei Nebenschauplätze. Denn da ist ja noch der Gilden-Kopfgeldjäger Sebastian Rudyk, der Tatsuo und Nadia verbissen jagt, weil er mit dem Kopfgeld seinem Enkel eine wichtige Operation bezahlen will. Und wir sehen Marston Foster dabei zu, wie er auf brutale und skrupellose Weise die Herrschaft über das Syndikat übernimmt (für das Tetsuo ja als Zeitschmuggler arbeitete) und sogleich der konkurrierenden Union den Kampf ansagt. Am Schluss steht diesmal kein Cliffhanger im eigentlichen Sinne, sondern ein bittersüßer Abschied.

Mit dem Portugiesen Jorge Coelho ist in Band 4 wieder ein neuer Zeichner am Start, der wie seine Vorgänger eine homogene Arbeit abliefert. Coelho zeichnete bisher diverse Marvel-Titel, die auch bei Panini erschienen sind (Loki: Agent of Asgard, Rocket Racoon). Sein Stil ist kräftig, er arbeitet viel mit Schraffuren, was den Panels eine holzschnittartige Eleganz verleiht (und damit an den Stil von Walter Simonson erinnert). Die Farben stammen wie in den ersten drei Bänden erneut von Chris O’Halloran, wodurch trotz mehrfachem Zeichnerwechsel eine gewisse Kontinuität in der Optik der Serie erhalten bleibt. Mit dem kommenden Teil 5 werden wir dann das große Finale erleben und sind schon jetzt gespannt. Der Band ist wie seine Vorgänger als limitierte Soft- und Hardcover-Ausgabe erhältlich. (bw)
Time before Time, Band 4
Text & Story: Declan Shalvey, Rory McConville
Bilder: Jorge Coelho, Chris O’Halloran (Farben)
128 Seiten in Farbe, Softcover
Verlag Skinless Crow
19,90 Euro (Softcover)
29,90 Euro (Hardcover)
ISBN: 978-3-03963-084-4 (Softcover)
ISBN: 978-3-03963-085-1 (Hardcover)